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Weiterarbeiten

Fast jeder Vierte zwischen 65 und 69 arbeitet noch

Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil der Erwerbstätigen zwischen 65 und 69 von 14 auf 23 Prozent erhöht. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass Weiterarbeiten im Rentenalter längst keine Randerscheinung mehr ist.

TS Thomsquatch Redaktion · 27. August 2026 · 7 Minuten Lesezeit

Allgemeine Verbraucherinformation der [FIRMENNAME]. Keine Steuer-, Renten-, Rechts- oder Finanzberatung. Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen. Diese Seite ist keine Behörde, beantragt keine Aktivrente und vermittelt keine Arbeitsplätze.

Drei ältere Kolleginnen und Kollegen unterhalten sich in der Pause mit Tassen in der Hand im Innenhof
Unter den 65- bis 69-Jährigen ist fast jeder Vierte erwerbstätig. Symbolbild.

Wer über die Aktivrente diskutiert, sollte wissen, wie viele Menschen sie überhaupt betreffen kann. Die Antwort liefert das Statistische Bundesamt (Destatis) mit zwei Zahlen: Am 30. September 2025 waren 738.460 Menschen ab 65 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und 2025 waren 23 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig, gegenüber 14 Prozent im Jahr 2015.

Die Erwerbstätigenquote im Zeitverlauf

JahrErwerbstätige 65 bis 69 JahreAnmerkung
201514 %Regelaltersgrenze für Jahrgang 1950: 65 Jahre und 4 Monate
202523 %Männer 26 %, Frauen 20 %

Quelle: Statistisches Bundesamt, Erwerbstätigkeit älterer Menschen. Erwerbstätig umfasst alle Formen von Arbeit, auch Minijobs und Selbstständigkeit.

Der Anstieg um neun Prozentpunkte in zehn Jahren hat mehrere Ursachen, und die steigende Regelaltersgrenze ist nur eine davon. Zwischen 2015 und 2025 ist die Grenze für die jeweils betroffenen Jahrgänge um rund ein Jahr gestiegen. Das erklärt einen Teil des Effekts, weil mehr 65- und 66-Jährige noch vor ihrer Regelaltersgrenze stehen. Es erklärt aber nicht, warum auch die 67- bis 69-Jährigen häufiger arbeiten.

Zwei Zahlen, die man nicht verwechseln darf

Die 23 Prozent beziehen sich auf Erwerbstätigkeit insgesamt: Angestellte, Minijobber, Selbstständige, mithelfende Familienangehörige. Die 738.460 beziehen sich nur auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ab 65, also auf die Gruppe, die von der Aktivrente überhaupt erfasst werden kann, und auch dort nur auf den Teil, der die Regelaltersgrenze erreicht hat. Die zweite Zahl ist also deutlich kleiner als die erste, und die Zahl der tatsächlich Begünstigten ist noch einmal kleiner. Wer die Aktivrente als Regel „für 23 Prozent der Älteren“ beschreibt, übertreibt.

738.460 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ab 65
423.273Männer
315.187Frauen
Stichtag 30. September 2025, Statistisches Bundesamt. Die Zahl umfasst auch Beschäftigte zwischen 65 und ihrer individuellen Regelaltersgrenze, die von der Aktivrente noch nicht erfasst sind. Sie ist eine Größenordnung, keine Anspruchszahl.

Warum Menschen nach dem Rentenalter arbeiten

Befragungen der Rentenversicherung und des Deutschen Zentrums für Altersfragen nennen seit Jahren dieselben Motive, in wechselnder Reihenfolge: Freude an der Arbeit, soziale Kontakte, das Gefühl, gebraucht zu werden, und finanzielle Gründe. Letztere reichen von „ein bisschen dazu“ bis zu „ohne geht es nicht“. Die Aktivrente adressiert das finanzielle Motiv. Sie macht Weiterarbeit für diejenigen attraktiver, die sie ohnehin erwägen, und sie ändert nichts für diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht können.

Der Fachkräftemangel als Gegenseite

Auf der Arbeitgeberseite hat sich die Haltung gewandelt. Destatis erwartet, dass in den kommenden 15 Jahren 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter erreichen, rund 30 Prozent der heutigen Erwerbspersonen. In vielen Branchen, von Pflege über Handwerk bis zur öffentlichen Verwaltung, ist erfahrenes Personal knapp. Betriebe, die vor zehn Jahren Beschäftigte mit 65 verabschiedet haben, bitten heute um Weiterarbeit in Teilzeit. Die Aktivrente gibt ihnen ein Argument mehr in diesem Gespräch.

Männer und Frauen

Der Unterschied zwischen 26 Prozent bei den Männern und 20 Prozent bei den Frauen spiegelt Erwerbsbiografien wider. Frauen dieser Jahrgänge haben häufiger in Teilzeit oder mit Unterbrechungen gearbeitet und sind häufiger im Minijob tätig. Für die Aktivrente hat das eine praktische Folge: Ein Teil der erwerbstätigen Frauen zwischen 65 und 69 arbeitet in Beschäftigungsformen, die nicht begünstigt sind. Der Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeit wäre in diesen Fällen die Voraussetzung, und er ist nicht überall möglich.

Was die Zahlen nicht sagen

  • Sie sagen nicht, wie viele der Beschäftigten ab 65 ihre Regelaltersgrenze erreicht haben.
  • Sie sagen nicht, wie viele die Aktivrente tatsächlich nutzen. Diese Zahl wird es erst mit den Lohnsteuerstatistiken für 2026 geben.
  • Sie sagen nicht, ob die Erwerbstätigkeit freiwillig ist. Hinter „finanziellen Gründen“ steht bei manchen eine kleine Rente.

Ein Blick in die Altersgruppe darüber

Auch jenseits der 70 arbeiten Menschen, allerdings deutlich seltener und überwiegend selbstständig oder im Minijob. Für diese Gruppe spielt die Aktivrente eine geringere Rolle, weil die begünstigte Beschäftigungsform seltener ist. Die Regel zielt in der Praxis auf die Jahrgänge, die gerade die Regelaltersgrenze erreichen oder wenige Jahre darüber sind. Das sind die Jahrgänge 1958 bis 1961, und sie sind zahlenmäßig stark.

Für wen die Zahlen wichtig sind

Für alle, die einschätzen wollen, ob Weiterarbeit nach dem Rentenalter „normal“ ist. Sie ist es geworden, jedenfalls für fast jeden Vierten. Für Arbeitgeber, die Personalplanung für die kommenden Jahre machen. Und für alle, die die Aktivrente politisch einordnen wollen: Sie ist eine Reaktion auf einen Arbeitsmarkt, der ohne ältere Beschäftigte nicht mehr auskommt, nicht der Auslöser dieses Wandels.

Einordnung

Fast jeder Vierte zwischen 65 und 69 ist erwerbstätig, und 738.460 Menschen ab 65 arbeiten sozialversicherungspflichtig. Die Aktivrente trifft damit auf eine große, wachsende Gruppe, aber nicht auf alle in dieser Gruppe. Wer die Zahlen nüchtern liest, sieht eine Regel, die viele betrifft und noch mehr Menschen interessiert. Der Beitrag Was sich 2026 für ältere Beschäftigte ändert ordnet sie in die übrigen Änderungen ein.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: Erwerbstätigkeit älterer Menschen (23 Prozent der 65- bis 69-Jährigen 2025, 14 Prozent 2015, Männer 26 Prozent, Frauen 20 Prozent)destatis.de
  2. Statistisches Bundesamt: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Altersgruppen (738.460 ab 65 Jahren am 30. September 2025)destatis.de
  3. Statistisches Bundesamt: 13,3 Millionen Erwerbspersonen erreichen bis 2040 das Rentenalterdestatis.de
  4. Deutsches Zentrum für Altersfragen: Deutscher Alterssurvey, Erwerbstätigkeit im Ruhestanddza.de
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